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Betrachtung von Jürgen H. Fricker

In der Zeit um 1500 wich die ritterliche Kampfart, bei der sich vorwiegend Reiterheere gegenüberstanden, einem gemischten, strategischen Gefecht. Die Bauern spielten ursprünglich als nicht Entlohnte und zum Kriegsdienst Verpflichtete eine untergeordnete Rolle. Die Kriegstaktik der modernen Zeit begann sich zu entwickeln; zwar war es nicht der taktische Einzelkampf, sondern immer noch die geschlossene Formation der kämpfenden Truppen, die das Geschehen bestimmte. Es traten aber erstmals unterschiedliche Truppen gegeneinander an.

An Stelle der nur aus Raubgut und Plünderungen bezahlten Bauern und Leibeigenen wurden besoldete Heere, die sogenannten Landsknechte, eingesetzt. Gemeint sind diejenigen, welche sich selber das Kriegshandwerk erwählten, „ohn Not des Gehorsams“.

Die Reiterheere wurden weiterhin vom höheren Adel gestellt, während der niedrige Adel sich bei den Fußtruppen als Hauptleute und Heerführer verdingte. Standesgemäß verfügte die Reiterei über die bessere Kriegsausbildung und Ausstattung gegenüber dem Heer der Kriegsknechte, von denen nur ein Teil über eigene Ausstattung und Bewaffnung verfügte. Ein Großteil der Kriegsknechte wurde damals von den Zeughäusern ausgestattet.
Wie vor allen kriegerischen Auseinandersetzungen entwickelte sich auch in den Jahren um 1525, dem Beginn der Bauernkriege, das Waffenwesen besonders rasch. Während in der Zeit des Mittelalters die Trutz- und Schutzbewaffnung sich Zug um Zug entwickelte, überschlug sich die Entwicklung der Waffensysteme zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Vor dieser Zeit wurde als Schutz gegen das Hiebschwert das Kettenhemd getragen, welches wiederum durch die Weiterentwicklung des Schwertes zum Stoßschwert weitgehend an Bedeutung verlor. Die Entwicklung des Plattenharnisches war die konsequente Weiterentwicklung der Schutzbewaffnung gegen das Stoßschwert und in begrenztem Umfang auch gegen das Hiebschwert.
Der Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit erstreckt sich über einen längeren Zeitraum und stellt ebenso einen Einschnitt dar, wie früher die Ablösung des Altertums durch das Mittelalter.
Die Hauptwaffe der Berittenen war das Schwert, das im Zuge der Entwicklung für den Hieb ebenso wie für den Stoß geeignet war. Gleichzeitig gab es jedoch nach wie vor das reine Hiebschwert mit breiter Klinge und das Stoß- oder Bohrschwert mit schmaler, aber steifer Klinge. Der Reiter verfügte darüber hinaus noch über einen Dolch, der jedoch keiner besonderen Kampftechnik diente und daher in vielfältiger Ausführung, häufig auch der Mode angepasst, getragen wurde. Streitkolben oder kurzstielige Beile waren reine Reiterwaffen für den Nahkampf, dienten aber auch gleichzeitig, in besonders kostbarer und aufwendiger Ausführung, als Rangabzeichen für Offiziere. Die Lanze wiederum war eine sehr wichtige taktische Reiterwaffe, die in der Regel einheitlich und schmucklos war. Sie hatte eine kurze Spitze; die Holzstange, der Schaft, war oftmals in den heraldischen Farben des Landesherren bemalt.
Zum Schutz des Körpers trugen die Reiter den Plattenharnisch mit ganzem Armzeug und Handschuhen, häufig auch mit ganzem Beinzeug, d. h. mit eisernen breiten Schuhen, sogenannte Kuhmaulschuhen. Als Helm wurde die geschlossene Sturmhaube oder der Visierhelm getragen. Beim Visierhelm war im geschlossenen Zustand das Gesicht des Trägers gegen Hiebe und Stiche geschützt. Allerdings war der Sichtbereich durch die Sehschlitze begrenzt. Die Atmung war trotz sogenannter Atemöffnungen unterhalb der Sehschlitze behindert, was oft zu Ausfällen der in vollem Harnisch Reitenden und Kämpfenden führte. Häufig hatten die Harnische und Helme wellenförmig getriebene Streifen, die an Brust- und Rückenteil fächerartig gestaltet waren. Am Arm- und Beinzeug waren die Wellen längs oder quer angeordnet, während sie am Helm normalerweise von vorne nach hinten verbliefen. Diese „gefluteten“ Harnische wurden nach dem Kaiser und obersten Kriegsherren „Maximilians Harnische“ genannt. Die typische Bewaffnung der Landsknechte war der Katzbalger. Dies war ein kurzes Schwert mit breiter Klinge und großen Parierringen, welches ausschließlich für den Hieb Verwendung fand. Die Bezeichnung wird sehr häufig fälschlicherweise vom Katzenfell abgeleitet, in dem es angeblich als Ersatz für die Scheide getragen wurde. Richtigerweise kommt die Bezeichnung Katzbalger vom „Balgen wie die Katzen“, nämlich dicht gedrängt im Haufen dem Feind gegenüber, ohne große Möglichkeit zu weit ausholenden Hieben und Stößen. Lange Schwerter waren beim Landsknecht selten, fanden jedoch hin und wieder Verwendung, ebenso wie die säbelähnlichen langen Messer oder Kriegsmesser. Diese haben eine leicht gebogene, spitze Klinge und einen langen Griff, der das Führen mit zwei Händen erlaubt. Ebenfalls mit zwei Händen geführt wurden die langen Schlachtschwerter oder Bidenhänder, die mit gerader oder wellenförmig geflammter Klinge gebräuchlich waren. Oft hatten diese Klingen im oberen Drittel sogenannte Parierhaken, die einen gegnerischen Hieb schon vor der Parierstange abfingen. Die Parierstangen waren aus kampftechnischen Gründen sehr weit ausladend, da die sogenannten Doppelsöldner, die dieses Schwert führten, auch gegen Hellebarden oder Spieße tragende Gegner eingesetzt wurden.

Die Dolche unterschieden sich nicht wesentlich von denen der Reiterei. Die Landsknechte waren außerdem sehr oft mit Hellebarden bewaffnet, das sind beilförmige Klingen mit Stoßspitze an einer mannshohen Stange, mit denen mit kräftigen Hieben und Stößen, der Gegner vom Leib gehalten werden konnte. Übermannshohe Spieße mit breiten Stoßklingen und bis zu vier Meter lange Lanzen waren ebenfalls typische Waffen für den Fußkampf. Im Gegensatz zu den Reitern, die ausnahmslos geharnischt waren, trugen die Fußknechte zugunsten einer besseren Beweglichkeit keinen oder nur unvollständigen Körperschutz. Die typische Landsknechttracht: geschlitztes Wams und geschlitzte Hosen, häufig nur mit dem Brust- und Rückenharnisch kombiniert. Statt eines Helms wurden oft nur federgeschmückte Hüte getragen. Die Kleidung war vielfältig, farbig und keinem Reglement unterworfen. Vor der Entwicklung der Feuerwaffe waren die Armbrust und der Bogen die einzigen leicht beweglichen Fernwaffen. Während der Bogen bei deutschen Heeren weniger gebräuchlich war, hatte die Armbrust eine große strategische Bedeutung. Überlieferung von Zeitgenossen berichten, dass sich der Himmel verdunkelte nach dem gleichzeitigen Abschuss vieler hundert Bolzen durch die Armbrustschützen. Die Durchschlagekraft der Armbrustbolzen war um ein Mehrfaches größer, als die der Bleigeschosse der zeitgenössischen Feuerwaffen. Nach der Wiederentdeckung des Schießpulvers durch den Franziskanermönch Berthold Schwarz im 14. Jahrhundert kam die Feuerwaffe mehr und mehr als taktische Waffe in Gebrauch. Als unritterlich geltend, von den Ritterheeren lange Zeit abgelehnt, setzte sich bei den Fußtruppen die Feuerwaffe mit Luntenschloss dennoch durch und wurde weiter verbessert. Die großen Verluste, die bei der Reiterei durch die Feuerwaffen der Musketiere hingenommen werden mussten, belehrten die Reiter eines Besseren und nach der Erfindung des Radschlosses im 16. Jahrhundert konnte nun auch die Reiterei Feuerwaffen einsetzen. Während vorher der reiterliche Angriff durch die Feuerkraft der Musketiere gestoppt werden konnte, erlangte das Reiterheer jetzt wieder seine ursprüngliche Kampfkraft und Bedeutung.

Ein weiterer strategisch wichtiger Heeresteil war die Artillerie. Feuerwaffen haben die Entwicklung des Kriegswesens seit der Mitte des 14. Jahrhunderts mitbestimmt. Geschütze lösten die schwerfälligen Wurfmaschinen des Mittelalters ab. Mit ihrer Hilfe gelang es, Breschen in Mauern zu schießen, durch Brandkugeln Häuser zu entzünden und in Schlachthaufen große Verluste an Menschen und Material anzurichten.
Die bronzenen Geschützrohre waren vorwiegend künstlerische Meisterwerke, was die Gestaltung ebenso wie die Präzision des Gusses betraf. Nach der Größe und Form der Geschütze wurden diese entsprechend bezeichnet. Zum Beispiel gab es Mörser, Feldschlangen, Kartaunen, Falkonetts und sogenannte Pfünder. Die einzelnen Rohre selbst bekamen meist phantasievolle Namen. Sie reichten von „Tod“ bis „Teufel“, vom „Drachen“ über den „Greif“ zum „Höllenhund“, vom „Philosophen“ zum „Narren“. Unter den Geschütznamen finden wir „Adam“ und „Eva“, „Fortuna“, „St. Paulus“ und andere Heilige. Es gab auch Geschützserien, wie zum Beispiel „Löwe“ und „Löwin“ und Serien mit den Namen der zwölf Apostel. Maximilian I. (1459 – 1519) wurde im Jahre 1486 zum König gewählt und war ab 1493 deutscher Kaiser. Durch die Stammlande seiner Frau Maria von Burgund und die Vermählung seines Sohnes Philipp mit der spanischen Erbtochter Johanna im Jahre 1496 brachte er auch noch die Krone und die Erblande Spaniens zum Hause Habsburg und erhob es damit zur Weltmacht. Der volkstümliche Herrscher Maximilian I. galt gleichzeitig als der „letzte Ritter“ und als der „Vater der Landsknechte“.

Jürgen H. Fricker

Öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Historische Waffen · Mitglied der Gesellschaft für Historische Waffen und Kostümkunde Sachverständiger und Sekretär des Kuratoriums zur Förderung historischer Waffensammlungen